Hand: Unfallverletzungen

Diagnose / Therapie / Ansprechpartner

Diagnose

Begriffserklärung und Entstehungsursachen

Die Hand als Greifinstrument des Menschen ist im Alltag vielen Gefahren ausgesetzt. Arbeitsunfälle, Haushalts- und Gartenunfälle, aber auch sportliche Aktivitäten führen zu Verletzungen unterschiedlicher Schweregrade. Fast 60 Prozent der Arbeitsunfälle betreffen die Region von Handgelenk und Hand. Das Zentrum für Hand- und Rekonstruktive Chirurgie der Roland-Klinik Bremen ist ebenfalls ermächtigt zum speziellen Verletzungsartenverfahren der Berufsgenossenschaften.

Diagnostik

Eine ausführliche körperliche Untersuchung bei Unfällen wird ergänzt durch klinische Tests und eine bildgebende Diagnostik. In der Regel ist eine Röntgenuntersuchung erforderlich, zum Teil auch mit Funktions- und Stressaufnahmen. Im Einzelfall kann eine Computer- oder Kernspintomographie indiziert sein. Bei speziellen Fragestellungen führen wir diagnostische Handgelenksspiegelungen (Arthroskopie) zur Beurteilung des Handgelenksbinnenraums durch.

Spiralbrüche des 3. und 4. Mittelhandknochens mit Biegungskeil

Therapie

Behandlung

Die Fülle der zum Teil sehr filigranen Strukturen der Hand auf engstem Raum bringt häufig komplexe Verletzungsmuster hervor, die eine spezielle handchirurgische Therapie erfordern. Das Behandlungsrepertoire umfasst dabei:

  • Stabilisierungen von Knochenbrüchen (Osteosynthesen) der
    • körperfernen Speiche (Radius),
    • Handwurzelknochen, insbesondere Kahnbeinbrüche (Os scaphoideum)
    • Mittelhandknochen
    • Fingergrund-, Mittel- und Endgliedknochen
  • Versorgung von Bandverletzungen an Handgelenk, Handwurzel und Fingerstrahlen
  • Versorgungen von Beugesehnen- und Strecksehnenverletzungen
  • Versorgung von Gefäßverletzungen mit Wiederherstellung der Durchblutung (Revaskularisation)
  • Versorgungen von Nervenverletzungen der oberen Extremität (Stamm- und Fingernerven)
  • Wiederanschluss abgetrennter Gliedmaßen nach Amputation (Replantation)
  • Deckung von Haut- und Weichteildefekten

Da oft Kombinationsverletzungen von Knochen, Sehnen, Nerven und Blutgefäßen vorliegen, sind häufig zeitlich und technisch aufwendige Versorgungen notwendig.

Ausgeheilte
Spiralbrüche nach Verschraubung

Vorrangiges Ziel ist dabei immer ein möglichst optimales Behandlungsergebnis zur bestmöglichen Wiederherstellung der Funktion.

Nachbehandlung

Neben der Akutversorgung von Handverletzungen liegt ein weiterer Schwerpunkt auf der Nachbehandlung von Unfällen sowie auf der Rekonstruktion bei Unfallfolgezuständen.
Dabei kommt ein breites Spektrum möglicher rekonstruktiver Maßnahmen zum Einsatz:

  • Aufbau von Knochendefekten durch Knochenverpflanzung (Transplantation, Spongiosaplastik)
  • Stabilisierung von Falschgelenkbildungen (u. a. Kahnbein-Pseudarthrosen)
  • Wiederherstellung verlorener Sehnenfunktionen durch Sehnenlösung, Sehnenumlagerung, Sehnenverpflanzung oder motorischer Ersatzoperation
  • Wiederherstellung von verlorener Gelenkfunktion durch Gelenklösung (Arthrolyse), Arthroplastiken oder Implantation von Kunstgelenken
  • Wiederherstellung von Nervenfunktionen durch Nervennähte, Nerventransplantation und motorischer Ersatzoperation
  • bei Amputationsfolgen: Wiederherstellung der Greiffunktion durch Verlängerung der Stümpfe abgetrennter Fingerglieder, Umsetzung eines Fingers auf die Nachbarposition oder Zehentransplantation
  • Deckung chronischer Haut- und Weichteildefekte durch lokale bzw. gestielte Nah- und Fernlappenplastiken oder freien mikrochirurgischen Lappentransfer
  • plastische Korrektur ungünstiger Narbenbildungen
  • Metallentfernungen nach Knochenheilung

Zur adäquaten Versorgung sowohl akuter Verletzungen als auch verbliebener Unfallfolgen ist die Beherrschung mikrochirurgischer Techniken Voraussetzung. Auch die Möglichkeit, unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskops zu behandeln, ist notwendig.

Replantationserfolg nach unfallbedingter Daumenamputation

Im Anschluss an die stationäre Therapie erfolgt die Nachbehandlung in Zusammenarbeit mit den weiterbehandelnden niedergelassenen Fachärzten. Häufig schließen sich spezielle Schienenversorgungen und individuell abgestimmte Übungstherapien unter Einsatz von Krankengymnastik und Ergotherapie an.

Ansprechpartner

Zentrum für Hand- und Rekonstruktive Chirurgie
Dr. Hans-Joachim Bauer

Tel 0421.8778-155
Fax 0421.8778-108
Mail handchirurgie@roland-klinik.de