Rücken: Tumoren der Wirbelsäule

Diagnose / Therapie / Ansprechpartner

Begriffserklärung und Entstehungsursachen

Die Wirbelsäule kann in ihren Knochen- und Nervenstrukturen von Tumoren befallen werden. In den Knochenstrukturen können Tumore sowohl gut- (benigne) als auch bösartig (maligne) und einerseits selbst im Knochen entstanden (primär) oder Absiedlungen (Metastasen) wirbelsäulenferner Tumore sein. Tumore in den Nervenstrukturen sind sehr selten und werden an anderer Stelle näher erläutert.
Knochentumore in der Wirbelsäule entstehen jedoch äußerst selten direkt vor Ort und machen nur 1% aller Primärtumore aus. Auf der anderen Seite zeigt sich bei fast jedem zweiten Krebspatient im Stadium der Metastasierung eine Absiedlung in den Knochen, wobei von denen wiederum zwei Drittel in der Wirbelsäule auftreten. Die sehr seltenen primären Tumore werden nach ihrem Wachstumsverhalten (benigne, semimaligne, maligne und tumorähnliche Störungen) und die Metastasen nach ihrem Ursprungsgewebe (Brust, Lunge, Prostata, Niere u.a) eingeteilt. Jede Altersgruppe kann von primären oder sekundären Knochentumoren der Wirbelsäule betroffen sein.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome sind von der Art des Tumors und dem Erkrankungsstadium abhängig. Es werden drei Stadien unterscheieden: Zu Beginn leidet der Betroffene an Rücken- und Kreuzschmerzen, die sogar im Ruhezustand bemerkt werden und mitunter die Nachtruhe beeinträchtigen. Übt der Tumor einen Druck auf die hintere Spinalwurzeln aus, kommt es zu Ausfällen mit schmerzhaften Missempfindungen. Liegt der Druck auf der vorderen Spinalwurzel, können motorische Störungen und Lähmungserscheinungen die Folge sein. Weitere neurologische Störungen wie Blasen- und Mastdarmfunktion oder veränderte Reflexe können auftreten. Gangstörungen oder veränderte Schmerz- oder Temperaturempfinden sind die Folge des Drucks auf die Hinterstränge des Rückenmarks durch den Tumor. Stehen hierbei bestimmte Bahnen des Rückenmarks zu sehr unter Druck, klagen Betroffene über muskuläre Schwächen in den Beinen und über vorübergehende in der letzten Phase auch andauernde Lähmungserscheinungen bis zum Querschnitt. Je nach Verlauf der Tumorerkrankung können die Stadien auch sehr schnell aufeinander folgen.

Diagnose

Patienten mit anhaltenden Rückenschmerzen werden je nach Krankengeschichte (Anamnese) und medizinischen Befunden zu weiteren Untersuchungen einbestellt. Meist folgt zunächst eine Röntgenuntersuchung in zwei Ebenen. Sollte aus Klinik, Anamnese und Röntgen der starke Verdacht auf einen Tumor oder Metastase entstehen, liegen die nächsten Schritte in der Durchführung einer Szintigraphie, Kernspintomographie (MRT) und ggf. Computertomographie (CT). Die Verdachtsdiagnose auf eine Metastase wird natürlich früher gestellt, wenn bereits eine Krebserkrankung bekannt ist. Meistens wird aber ein verdächtiger Befund und ggf. der Ursprungstumor und weiter Metastasen erst durch zusätzliche MRT oder CT erkannt. Die Suche wird durch Sonographie des Bauchs und der Schilddrüse sowie spezieller Laboruntersuchungen ergänzt. Ist der beschwerdeauslösende Herd lokalisiert, wird oft mittels einer dickeren Nadel (Biopsie) Gewebe zur Analyse entnommen.

Therapie

Zur individuellen Behandlung ist es notwendig den Tumor in seiner Art, lokalen Ausdehnung sowie Ausmaß und Verbreitung eventueller Metastasen genau zu bestimmen. Solange der Tumor noch nicht durch Druck oder Instabilität zu neurologischen Ausfällen geführt hat, werden Metastasen meist zunächst eine Strahlentherapie zugeführt. Die Chemotherapie kann erst nach einer gewissen Zeit eine Schmerzreduktion herbeiführen und leider sprechen außer Brust-, Lungen- und Prostatakarzinomen nur wenige Tumore auf die Behandlung an.

Operationen werden immer dann dringend notwendig, wenn der Tumor auf Nervengewebe drückt oder so viel Knochengewebe zerstört hat, dass ein Kollaps des Wirbelkörpers droht oder eingetreten ist, meist mit neurologischen Folgen wie einer Querschnittslähmung. Bei einer Operation wird der Tumor – soweit möglich – entfernt und die Wirbelsäule ggf. mit Ersatz des Wirbelkörpers durch ein Implantat und einer Platte oder hinteren Schraubenstab System versteift. Eine vor der Operation durchgeführte Embolisation, also ein Verschluss der Gefäße, die den Tumor versorgen, mindert das intraoperative Blutungsrisiko, wird aber auch ggf. als ergänzende Behandlung bei inoperablen Tumoren durchgeführt. Durch die anatomischen Besonderheiten der Wirbelsäule kann unter Schonung der Nerven nicht so radikal wie an übrigen Stellen im Körper bei Karzinomen operiert werden, eine ganzheitliche Therapieplanung ist deshalb besonders wichtig.

Nachbehandlung

Je nach Therapieplanung folgt nach der Operation erstmals oder erneut die Chemo- oder Strahlentherapie, bei der das eventuell verbleibende Gewebe zerstört und so das erneute Wachsen des Tumors verhindert wird. Ziel jeder Tumortherapie ist die Erhöhung der Lebensqualität, also das Erhalten der Mobilität, die Verringerung der Schmerzen und die Vermeidung neurologischer Ausfälle, ohne jedoch im Einzelfall den Gesamtverlauf aus den Augen zu verlieren.

Ansprechpartner

Wirbelsäulenzentrum
Chefarzt Klaus-Eberhard Kirsch

Tel 0421.8778-253
Fax 0421.8778-103
Mail wirbelsaeulenzentrum@roland-klinik.de